• Auswanderung nach Bulgarien

    Bulgariens Entwicklung vom Kommunismus zur Demokratie

Bulgarien ist in der heutigen Zeit als Rechtsstaat mit einer modernen Demokratie bekannt. Diese Regierungsform war allerdings in Bulgarien nicht immer vorherrschend. Wenn man die Geschichte Bulgariens näher betrachtet, wird man schnell erkennen können, das große Teile der jüngeren politischen Vergangenheit durch den Kommunismus in Bulgarien geprägt worden sind. Daher ist es interessant zu erfahren, wie sich Bulgarien aus dem Kommunismus heraus zu einer Demokratie entwickeln konnte und wie dies unmittelbaren Einfluss auf das Leben und die Menschen in Bulgarien genommen hat.

Um die Einführung des Kommunismus in Bulgarien näher auf den Grund gehen zu können, ist es nötig, einige Jahrzehnte zurückzublicken, um diesen Ursprung genau verstehen zu können. Der Kommunismus begann in Bulgarien bereits im Jahr 1941. Zu dieser Zeit erklärt Bulgarien sowohl den USA als auch Großbritannien den Krieg. Der damaligen Sowjetunion hingegen wurde kein Krieg erklärt. Es dauerte zu dieser Zeit allerdings nicht lange, bis die Sowjetunion selber den Bulgaren den Krieg erklärte und bereits drei Jahre später, im Jahr 1944 in das Land einmarschierte. Noch im selben Jahr unterzeichnete die damalige bulgarische Regierung unter Georgiew einen Waffenstillstand und erklärte seinem ehemaligen Verbündeten Deutschland den Krieg.

Bei den nationalen Wahlen im Jahr 1945 erzielte die Partei “Vaterländische Front” über 90 % der Stimmen. Unmittelbar nach diesem Wahlsieg wurde Bulgarien dann in einen kommunistischen Staat umgewandelt. Für die Bevölkerung in Bulgarien bedeutete dies eine Nationalisierung von sämtlichen Banken und der Industrie. Außerdem wurde auch die Landwirtschaft in Bulgarien kollektiviert und es wurde im gesamten Land eine zentrale Planwirtschaft eingeführt. Nur ein Jahr später, 1946, fand dann eine nationale Volksbefragung statt, welche auch zum offiziellen Ende der Monarchie in Bulgarien führte. Zar Simeon wurde daher unmittelbar abgesetzt und nur eine Woche später wurde das Land zur offiziellen “Volksrepublik Bulgarien” erklärt. Der daraufhin neu entworfene Verfassungsentwurf sollte anschließend direkt Pressefreiheit und Redefreiheit für die gesamte Bevölkerung in Bulgarien garantieren. Danach wurde als erster Ministerpräsident im November 1946 Georgi Dimitrow gewählt.

Im Jahr 1947 wurde dann in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, welcher auch offiziell das Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Die damals getroffenen Vereinbarungen hatten anschließend auch unmittelbaren Einfluss auf die Volksrepublik Bulgarien. Bulgarien musste hohe Reparationszahlungen leisten und auch das Militäraufgebot wurde sehr stark abgeschwächt. Zudem wurde sogar eine komplette Entmilitarisierung der Grenze zu Griechenland angeordnet. Des Weiteren hatte dieser Vertrag allerdings auch territoriale Folgen für Bulgarien. Die Rückgabe des südlichen Teiles der Dobrudscha wurde ebenfalls vollständig angeordnet und unmittelbar vollzogen. Die neue Verfassung, welche anschließend verabschiedet wurde, ähnelte stark den geltenden Regelungen in der damaligen UdSSR. Dies bedeutete auch zeitgleich die formelle Eingliederung Bulgariens in den sowjetischen Machtbereich. Den nun stark vorhandene politische Bindung an Moskau hatte auch weitere Folgen für die Bevölkerungsstruktur im Land. Es ist davon auszugehen, dass in den nachfolgenden Jahren mehr als 150.000 Menschen türkischer Abstammung aus Bulgarien ausgewiesen wurden. Zudem förderte die damalige Regierung in Sofia auch nachhaltig die Auswanderung von über 50.000 Juden. Finanzielle Zuschüsse erhielt die Volksrepublik Bulgarien von der damaligen UdSSR allerdings erst viele Jahre später. Erst Anfang der 70er Jahre konnte Bulgarien auch mit finanzieller Unterstützung rechnen, welche in den Ausbau der Industrie investiert worden ist.

Erste Veränderungen nach der Einführung des Kommunismus

Nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 lockerte sich allerdings auch in Bulgarien immer mehr die streng kommunistische Haltung. Im Jahr 1955 begannen leichte Annäherungsversuche mit Griechenland. Außerdem unterschrieb Bulgarien auch im selben Jahr den Warschauer Pakt. Ab 1962 bestimmte Tudor Schiwkow als einflussreichster Politiker der damaligen kommunistischen Partei, weitestgehend die Politik des Landes. Dies fand bis zum Jahr 1989 statt. Tudor Schiwkow war bis zum Jahr 1971 Ministerpräsident von Bulgarien und danach erstes Staatsoberhaupt. Mitte der 80er Jahre startete die Regierung Schiwkows zudem eine landesweite Kampagne gegen die türkischstämmige Minderheit in Bulgarien. Dieses Vorgehen zählt bis heute zu den zweifelhaftesten nationalen Aktionen des damaligen Staatsoberhauptes. Die damalige Regierung sah sich dazu veranlasst, eine Kampagne gegen die muslimische Minderheit im Land zu starten, da deren Geburtenrate rasant anstieg. Einer der Hauptpunkte dieser Kampagne war, dass die muslimische Bevölkerung dazu gezwungen werden sollte, slawische Namen anzunehmen. Des Weiteren wurde auch das Sprechen der türkischen Sprache im gesamten Land verboten. Diese Konflikte spitzen sich auch in den Folgejahren zu, was im Jahr 1989 darin gipfelte, dass 300.000 Türken des Landes verwiesen wurden. Diese Aktion brachte Bulgarien auch große internationale Konflikte ein. Nachdem im Jahr 1986 der Ausgleich zwischen den USA und der damaligen UdSSR stattgefunden hatte, wurde auch der Druck auf die damalige bulgarische Regierung immer größer. Letztendlich zwangen oppositionelle Kräfte, Schiwkow 1989 von seinem Amt zurückzutreten. Nur ein weiteres Jahr später wurde das damalige bulgarische Staatsoberhaupt wegen Korruption verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 7 Jahren verurteilt.

Als Nachfolger wurde dann der damalige Außenminister Petar Mladenow bestimmt. Unter seiner Führung wurden auch die Rechte der türkischen Bevölkerung in Bulgarien wiederhergestellt. Unter seiner Führung wurde auch ein großer Schritt hinsichtlich der späteren Demokratie in Bulgarien eingeleitet. Das Mehrparteiensystem wurde dann nämlich wieder eingeführt, sodass erste demokratische Strukturen im Land zu erkennen waren. Dies wurde aufgrund einer Verfassungsänderung möglich gemacht. Damit wurde auch zeitgleich der alleinige Führungsanspruch der Kommunistischen Partei annulliert. Am 3. Januar 1991 wurde dann der Grundstein für die Demokratie in Bulgarien gelegt. Alle Parteien verabschiedeten damals ein Abkommen, welches den Übergang vom Kommunismus zur Demokratie einleitete. Danach begann Bulgarien umgehend damit, seine Wirtschaft wieder vollständig aufzubauen und zu regenerieren. Außerdem wurden auch Grundbesitztümer an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben, welche damals von der kommunistischen Regierung eingezogen worden sind. Anschließend wurde im bulgarischen Parlament sogar ein Gesetz verabschiedet, welches ist ebenfalls ermöglichte, Investitionen aus dem Ausland zu nutzen. Somit konnte Bulgarien immer mehr am europäischen Wirtschaftsraum teilnehmen. Allerdings musste Bulgarien auch durch den Zusammenbruch des COMECON einen sehr schweren Rückschlag hinnehmen, welcher das Land bis heute finanziell und wirtschaftlich hinter andere europäische Länder zurückgeworfen hat. Der wirtschaftliche Einbruch durch den Verlust von vielen Märkten wurde daher ganz deutlich im gesamten Land spürbar.

Die weitere politische Entwicklung Bulgariens

Weitere politische Veränderungen fanden anschließend bei den Wahlen im Dezember 1994 statt. Der Sozialistischen Partei unter Schan Widenows  gelang es durch ein Bündnis mit der Bauernpartei und der Umweltpartei, eine Mehrheit im Parlament zu erzielen. Infolgedessen sank auch die bulgarische Landeswährung Lewa stark im Wert und zeitgleich schnellten auch die geltenden Zinssätze stark in die Höhe. Im November 1996 gewann der damalige Oppositionsführer Petar Stojanow die Stichwahl zum Präsidentenamt und wollte Bulgarien danach auf einen neuen politischen Kurs bringen. Im Fokus stand zu dieser Zeit vor allem die Annäherung Bulgariens an die Europäische Union. Ein Antrag zum Beitritt in die Europäische Union wurde allerdings von Bulgarien bereits ein Jahr früher, 1995 gestellt. Fortan wurde in Bulgarien auch ein Expertengremium zusammengerufen, damit nachhaltig auch die wirtschaftlichen Probleme im Land Schritt für Schritt gelöst werden können. Viele Beobachter der damaligen Wahlen sehen den Sieg von Petar Stojanow vor allem als Protest gegen die damalige Sozialistische Partei, da diese es in den Jahren zuvor vergeblich versucht hatte, Bulgarien aus der finanziellen Krise zu befreien. Bei den erneuten Parlamentswahlen im Jahr 1997 errang das Bündnis der vereinigten demokratischen Kräfte die Mehrheit in Bulgarien.

Internationale Hilfen für Bulgarien und die weitere Entwicklung im Land

Im September 1997 konnte Bulgarien auch erstmals auf große internationale Unterstützung zählen. Die Weltbank sicherte dem Land nämlich damals einen Kredit in Höhe von 100 Millionen Dollar zu. Durch diese Summe sollte in Bulgarien vor allem Der schwächelnde Finanzsektor und der Industriesektor wieder nach vorne gebracht werden. Zur gleichen Zeit hoffte die bulgarische Regierung auch darauf, von der NATO berücksichtigt zu werden, wenn es um die NATO-Osterweiterung ging. Dies war bereits der zweite Versuch, nachdem Bulgarien im ersten Anlauf nicht berücksichtigt worden war. Im August 1998 wurde für Bulgarien zudem ein weiterer Währungsfonds über 1,6 Milliarden US-Dollar genehmigt. Hierdurch sollten vor allem die strukturellen Voraussetzungen in der bulgarischen Wirtschaft aufgebaut und stetig verbessert werden. Auch die Todesstrafe wurde im Jahr 1998 in Bulgarien endgültig abgeschafft. Im Jahr 2000 nahm dann die Europäische Union die Verhandlungen mit Bulgarien hinsichtlich eines Beitritts in die Europäische Union auf. Dies konnte als sehr positives Ergebnis hinsichtlich der nachhaltigen Verbesserung der strukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Land gewertet werden. Im Jahr 2007 konnte Bulgarien dank einer erneuten EU-Osterweiterung endgültig der Europäischen Union beitreten. Dies eröffnet viele Möglichkeiten und konnte auch im Nachhinein die bulgarische Wirtschaft wir vorantreiben. Durch die langjährige Zugehörigkeit Bulgariens haben sich auch heute zahlreiche Möglichkeiten für Bulgaren ergeben, um europaweit einen Arbeitsplatz annehmen zu können. Da auch für Bulgarien die Freizügigkeit in der Europäischen Union gilt, dürfen sich auch Bulgaren dauerhaft in anderen Ländern der EU aufhalten und dort auch eine rechtmäßige Arbeit annehmen. Es wird in erster Linie allerdings darauf zu achten sein, ob Bulgarien diese positive Tendenz der vergangenen Jahre weiter ausbauen und somit auch den wirtschaftlichen und strukturellen Standard im Land weiter verbessern kann. Für Reisende gilt in Bulgarien weiterhin zu beachten, dass das Land immer noch die landestypische Währung Lewa hat. Der Euro ist derzeit noch nicht in Bulgarien eingeführt worden. Aus diesem Grund ist es auch absolut zu empfehlen, dass ich immer die tagesaktuellen Kurse angesehen werden, wenn es um das Wechseln von Geldbeträgen geht.